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"Ich kann doch jetzt nicht krank machen"

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03.05.2011 Präsentismus, also die Tendenz, trotz Krankheit zur Arbeit zu gehen, ist weit verbreitet. Ein neue Studie ist jetzt den Ursachen nachgegangen.

Langfristig erhöht Präsentismus das Risiko ernsthafter, länger andauernder Erkrankungen. Die durch Produktivitätsverluste u.ä. entstehenden Kosten des Präsentismus sind höher als die, die durch Fehlzeiten entstehen.

Arbeit trotz Erkrankung scheint ein Trend der modernen Arbeitswelt zu sein. Krankenkassen haben festgestellt, dass Beschäftigte auch selbst dann in den Betrieb gehen, wenn der Arzt rät, zu Hause zu bleiben.

Ergebnisse des DGB-Index Gute Arbeit (Ausgabe 2009) haben gezeigt, dass mehr als drei Viertel der Beschäftigten mindestens einmal oder auch mehrmals krank zur Arbeit gegangen waren - wegen des hohen Arbeitsdrucks, wegen möglicher Nachteile im Beruf oder aus Angst vor Kündigung.

Doch was steckt aus wissenschaftlicher Sicht hinter dem Phänomen Präsentismus?

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) gibt mit der jetzt erschienen Studie "Präsentismus: Ein Review zum Stand der Forschung." erstmalig einen Überblick. Verfasst wurde sie von Professor Bernhard Badura und Mika Steinke von der Universität Bielefeld.

Dabei wird deutlich, dass der Begriff Präsentismus derzeit weder einheitlich definiert noch angewandt wird. Eine verbreitete Definition betrachtet Präsentismus als "Verhalten, sich bei einer Erkrankung nicht krank zu melden, sonder arbeiten zu gehen". Jedenfalls wird deutlich, dass der Krankenstand als Instrument zu kurz greift, um den Gesundheitszustand der Beschäftigten im Unternehmen zu beschreiben.

In die Überblicksstudie flossen insgesamt 285 aktuelle Forschungsarbeiten zum Thema Präsentismus ein. Dabei identifizierten die Autoren zwei Hauptstränge der Forschung. Insbesondere nordamerikanische Studien beschäftigen sich mit Produktivitätsverlusten aufgrund gesundheitlicher Beschwerden. Hingegen legen Arbeiten aus Europa ihren Fokus auf das Verhalten von Beschäftigten, die trotz Erkrankung zur Arbeit gehen. Hier gehen die Studien vor allem auf Ursachen und Einflussfaktoren des Verhaltens sowie dessen gesundheitliche Folgen ein. Da in den USA bereits länger der Einfluss vor allem chronischer Erkrankungen auf die Produktivität untersucht wird, lassen sich hier deutlich bessere Aussagen zur Qualität der Messverfahren machen. Entsprechend fordern die Autoren die Entwicklung und Validierung von deutschsprachigen Instrumenten zur Messung von Präsentismus, die auf Selbsteinschätzung von Erwerbstätigen basieren.

Als Faktoren, die Präsentismus fördern, nennen Autoren persönliche Gegebenheiten (Alter, Geschlecht usw.), arbeits- und organisationsbedingte Einflüsse (Arbeitsstress, Arbeitsverdichtung, Unternehmenskultur u.ä.) sowie schließlich Einflüsse der Arbeitsumwelt wie z.B. Arbeitsplatzunsicherheit.

Langfristige Folgen: Ernste Erkrankungen, Kosten

Unter dem Aspekt Gesundheit zeigt sich, dass Beschäftigte, die trotz Erkrankung zur Arbeit gehen, ein signifikant höheres Risiko tragen, ihren eigenen Gesundheitszustand als schlecht oder eher schlecht einzustufen. Zudem deutet sich an, dass sich durch Präsentismus bei einem eher schlechten Gesundheitszustand langfristig das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Zwei Studien weisen auf einen Zusammenhang zwischen Präsentismus und Langzeit-Arbeitsunfähigkeit hin.

Wer also akute Erkrankungen übergeht, nicht auskuriert und weiter arbeitet, wird mit wahrscheinlich irgendwann eine länger dauernde Erkrankung erleiden.

Die untersuchten Studien zeigen durchweg, dass die Kosten, die durch Präsentismus entstehen, beträchtlich sind. Menschen, die krank zur Arbeit gehen, sind weniger produktiv als Gesunde. Auch die untersuchten deutschen Studien kommen eindeutig zu dem Ergebnis, dass die durch Produktivitätseinbußen entstehenden Kosten mindestens ebenso hoch oder höher sind als die durch Absentismus, also durch Krankmeldungen und Fehlzeiten bedingten Kosten.

Letzte Änderung: 06.05.2011

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